







Messinstrumente
Folgende Messinstrumente kamen sowohl bei der Befragung vor der Umgestaltung als auch bei der Befragung nach der Umgestaltung zur Anwendung:
Semistrukturiertes Interview
Dieses für die spezielle Situation in Zusammenarbeit mit der Univ. Klinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie entwickelte Instrument erfasst die Einschätzung des Patienten, hinsichtlich des Einflusses der Gestaltung der Krankenstation (vorher/nachher) auf folgende psychologische Parameter:
• Subjektive Befindlichkeit im Patientenzimmer
(nicht wohl/äußerst wohl)
• Stimmungsauswirkung
(depressiv/aufbauend)
• Subjektiver Einfluss der Gestaltung auf den Krankheitsverlauf
(negativ/positiv)
• Bewertung der Behandlung und der stationären Versorgung, Erleben der Stationsatmosphäre
(nicht hilfreich/sehr hilfreich)
• Zufriedenheit mit Ausmass der erhaltenen Hilfe
(nicht zufrieden/sehr zufrieden)
• Behandlung als Ressource für Krankheitsbewältigung
(ja/nein)
• Gefühl des Respektiertwerdens auf der Abteilung
(keinesfalls/jedenfalls)
• Erleben der Erkrankung
(lebensbedrohlich/nicht gefährlich)
• Ängstlichkeit in bezug auf die Erkrankung
(äußerst ängstlich/nicht ängstlich)
• Hoffnungen in bezug auf den Krankheitsverlauf
(hoffnungslos/hoffnungsvoll)
• Befürchtungen in bezug auf den Krankheitsverlauf
(große/keine)
• Kognitiv emotionale Befindlichkeit
(Gesichterliste)
• Bewertung der derzeitigen Gestaltung
(sehr schlecht/ausgezeichnet

Die Depressivitäts-Skala (D-S) von Zerssen
Mit diesem Instrument wird die depressive Verstimmung gemessen, wobei zur Interpretation der Testrohwert (addierte Itemspunktwerte) herangezogen wird.
Der Normalbereich wird bei einem Testrohwert >10 verlassen.
Die Befindlichkeits-Skala von Zerssen
Dieser Test mißt das "Sich zu Mute sein". Je höher der Gesamttestwert, desto schlechter ist die kognitiv emotionale Befindlichkeit im Sinne der Selbstbeschreibung (Gegensatzpaare von Eigenschaftswörtern) des Patienten.
Totaler Lebensqualitätsindex nach Spitzer (unabhängige Variable)
Fremdeinschätzung der Bereiche Aktivität, Alltagsleben, Gesundheit, Umweltbeziehung und Zukunft:
Je höher der totale Lebensqualitätsindex, umso besser ist die Lebensqualität des Patienten zu beurteilen.
Karnofsky-Index (unabhängige Variable)
Einschätzung der körperlichen Befindlichkeit durch den betreuenden Arzt.
Die Auswertung der Daten erfolgte unter Verwendung des SPSS/PC plus Programms (Statistical Package for Social Science).
Ergebnisse:
Die zentralen Ergebnisse dieser begleitenden Evaluierung ergaben folgende signifikante Ergebnisse:
Nach der Stationsumgestaltung befragte Patienten erlebten eine signifikant stärker aufbauende Auswirkung der Neugestaltung auf ihre Stimmung als vor der Stationsgestaltung befragte Patienten.
Nach der Stationsumgestaltung befragte Patienten gaben eine signifikant positiveren Einfluß der Neugestaltung auf ihren Krankheitsverlauf an als vor der Stationsgestaltung befragte Patienten.
Nach der Stationsumgestaltung befragte Patienten erlebten ihre Erkrankung signifikant geringer gefährlich als vor der Stationsgestaltung befragte Patienten.
Nach der Stationsumgestaltung befragte Patienten stuften ihre Ängstlichkeit in bezug auf die Erkrankung signifikant geringer ein als vor der Stationsgestaltung befragte Patienten.
Nach der Stationsumgestaltung befragte Patienten waren signifikant hoffnungsvoller und hatten respektive signifikant weniger Befürchtungen hinsichtlich ihres weiteren Krankheitsverlaufes als vor der Stationsgestaltung befragte Patienten.
Die allgemeine Befindlichkeit (Befindlichkeitsskala) war bei nach der Stationsumgestaltung befragten Patienten signifikant besser als bei vor der Stationsumgestaltung befragten Patienten.
Eine von Oktober 1997 bis März 1998 im Sinne einer Reevaluierung durchgeführte anonyme Befragung von 92 stationären Patienten zur Patientenzufriedenheit ergaben die Gestaltung betreffend folgende bestätigende Ergebnisse:
82% der Befragten schätzten die Wirkung der Atmosphäre durch die Gestaltung als "sehr hilfreich", 12% "eher hilfreich", (6% keine Antwort) ein. Das subjektive Befinden durch die Gestaltung bewerteten 72 % mit "sehr wohl", 20 % mit "eher wohl", (8% gaben keine, bzw. eine ungültige Antwort). Als freie Antworten zum Gelingen für die Umsetzung eines bio-psycho-sozialen Betreuungsmodells wurden in der Häufigkeit signifikant oft die gestaltenden Elemente und Farben der Station genannt.
Gesamtkontext des Projekts:
Die künstlerische Neugestaltung der Krankenstation ist Teil eines ganzheitlichen bio-psycho-sozialen Betreuungsmodells der Klinischen Abteilung für Onkologie. In interdisziplinär besetzten Qualitätszirkeln wird neben einem kontinuierlichen Bemühen um gestalterische Verbesserung des Umfeldes (zuletzt Erschließung eines begehbaren Dachgartens,
auch an der Verbesserung der organisatorischen Abläufe sowie einer stetigen Verbesserung der über die unmittelbar medizinisch biologische Behandlung hinausgehenden psychosozialen Betreuung gearbeitet. Das Projekt einer Erweiterung der Krankenstation steht bevor.
Aufgrund dieser Aktivitäten ist die Klinische Abteilung für Onkologie seit April 1998 "Partnerkrankenhaus" des Österreichischen Netzwerks gesundheitsfördernder Krankenhäuser (ein Subnetzwerk von Health Promoting Hospitals, ein Netzwerk der WHO, Regionalbüro für Europa).
Strategien zur Verbreiterung und Übertragung der Ergebnisse:
Das Projekt einer künstlerisch gestalteten Krankenstation in der vorliegenden Form ist nach dem Wissen der Projektinitiatoren bislang weltweit nicht durchgeführt worden.
Durch dieses Projekt wurde ein höheres Maß an Aufmerksamkeit hinsichtlich der Art der Gestaltung von Krankenstationen und deren Auswirkungen auf die Befindlichkeit der betroffenen Patienten erzeugt.
Seit der Fertigstellung in der jetzigen Form übt die Krankenstation eine Signalfunktion für die Gestaltung anderer Krankenhausabteilung in der näheren Umgebung aus. Nachbarstationen reagierten zum Beispiel unmittelbar durch die Anschaffung von Bildern in den Krankenzimmern und den Gängen sowie Pflanzen im Wartebereich.
Bislang wurde die Station in mehreren Fernsehbeiträgen des lokalen sowie österreichweiten Fernsehens und auch mit einem Beitrag in der Bundesrepublik Deutschland der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Homepage der Klinischen Abteilung für Onkologie ( www.kfunigraz.ac.at/umewww/ ) enthält unter anderem eine Kurzbeschreibung der künstlerisch gestalteten Krankenstation (Hundertwasserstation).
Das Projekt wurde des weiteren an über 15 nationalen bzw. internationalen Fachkongressen (Onkologie sowie Psycho-Onkologie) präsentiert, dies unter anderem in New York, Toronto und Hamburg.
Zusammenfassung:
Die künstlerische Neugestaltung der Krankenstation für erwachsene Krebspatienten wirkt sich nachweislich positiv auf die Lebensqualität der PatientInnen aus. Das Projekt wurde finanziell in einem Rahmen abgewickelt, der für Renovierungen bzw. Sanierungen von Krankenstationen innerhalb eines Altbaues erforderlich ist.
Das Projekt vermag aufzuzeigen, dass auch unter den betriebsorganisatorischen und sonstigen für einen Krankenhausbetrieb bestehenden Vorgaben Raum für individuelle Gestaltungsmöglichkeit verbleibt.
Entsprechendes Bewusstsein für die Notwendigkeit einer menschennahen Gestaltung der Umgebung im Krankenhaus vorausgesetzt, sowie bei entsprechendem Engagement aller Beteiligten können ähnliche Projekte grundsätzlich an jeder anderen Krankenhausabteilung umgesetzt werden.