
Alfred Bernhard Nobel (1833-1896) war ein schwedischer Chemiker und Erfinder. Von seinen 355 Patenten erlangte jenes für den Sprengstoff „Dynamit" (1867) die größte Bekanntheit. Nobel blieb kinderlos und vermachte den Großteil seines umfänglichen Vermögens (über 30 Millionen Kronen) einer Stiftung, deren jährliche Zinsen zu fünf gleichen Teilen denjenigen zuteil werden sollten, die „menskligheten den största nytta" (der Menschheit den größten Nutzen) brächten: Nobel definierte dafür die fünf Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden. Die Nobelstiftung wurde 1900 gegründet, und 1901 die ersten fünf Preise vergeben. Einen weiteren Nobelpreis gibt es seit 1969: in Erinnerung an Nobel stiftete die schwedische Reichsbank den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Nobelpreisträger und ihre Spuren in Graz
Ein gebürtiger Steirer war der Nobelpreisträger für Physik, der auf Schloss Waldstein bei Peggau nördlich von Graz geborene Victor Franz Hess. Ebenfalls aus der Steiermark stammt Elfriede Jelinek, die 2004 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat.
Andere bisherige Preisträger wurden zwar nicht in Graz oder in der Steiermark geboren, doch finden sich unter ihnen mehrere mit persönlichem Bezug zu Graz. Dazu zählen die Chemienobelpreisträger Fritz Pregl (1923) und Richard Zsigmondy (1925).
Fritz Pregl starb 1930 in Graz, wo er Ende des 19. Jahrhunderts Medizin studiert hatte und seit 1913 als ordentlicher Professor das Institut für angewandte medizinische Chemie leitete. Pregl wurde 1929 zum Ehrenbürger von Graz ernannt. Pregls sterbliche Überreste wurden zunächst auf dem St. Leonhard-Friedhof beigesetzt, später aber exhumiert und auf den Zentralfriedhof überstellt. Das dortige Grabmal enthält eine vom steirischen Bildhauer Prof. Wilhelm Gösser geschaffene Portraitbüste Pregls. Eine weitere Gedenkbüste desselben Künstlers ist im Arkadengang der Aula der Grazer Karl-Franzens-Universität aufgestellt. 1970 wurde die von der Stadt Graz gewidmete Gedenktafel an Fritz Pregls letztem Wohnhaus (er lebte 1915-1930 am Geidorfgürtel 40 enthüllt. Der Fritz-Pregl-Weg am Rosenhain erhielt 1938 seinen Namen.
Richard Adolf Zsigmondy wurde in Wien geboren, wo er dann an der Technischen Hochschule Chemie studierte. Nach vierjährigem Studium widmete er sich ab 1887 Studien in München, Erlangen, Berlin und schließlich ab 1892 in Graz, wo er sich im selben Jahr habilitierte. Warum er nach Graz kam, ist unbekannt. Er wohnte hier zunächst im Haus Leechgasse 2b und danach in der Rechbauerstraße 18. 1897 übersiedelte Zsigmondy nach Jena, wo er für die Fa. Schott u. a. das berühmte Jenaer Milchglas entwickelte. Ein Jahr vor seinem Tod (1929) erhielt Zsigmondy das Ehrendoktorat der Grazer Technischen Hochschule verliehen.
Mehr dazu:
www.tu-graz.ac.at -> die TU-Graz -> TU Graz in der Vergangenheit -> Who's Who -> Richard Zsigmondy
Julius Wagner Ritter von Jauregg stammte aus Wels, studierte in Wien Medizin und habilitierte sich ebendort für das Fach Nervenkrankheiten und Psychiatrie. 1889-1893 leitete er in Graz die Psychiatrische und Nervenklinik und ging anschließend wieder nach Wien. Die Verleihung des Nobelpreises für seine um dieselbe Zeit entwickelte Malaria-Fiebertherapie gegen progressive Paralyse bedeutete 1927 den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere. Julius Wagner-Jauregg wurde in Graz posthum durch die Benennung des Wagner-Jauregg-Platzes (1964) und der Wagner-Jauregg-Straße (1965) bei der damals noch so genannten „Landes-Heil- und -Pflegeanstalt am Feldhof" (heute: Landesnervenklinik Sigmund Freud) geehrt. Eine 1922 von Max Schneider geschaffene Radierung des Nobelpreisträgers befindet sich heute in der Bibliothek der Landesnervenklinik.
Otto Loewi wirkte ebenso wie Victor Franz Hess als Ordinarius an der Grazer Karl-Franzens-Universität (seit 1909) und erhielt ebenfalls einen der Nobelpreise des Jahres 1936 (für Physiologie bzw. Medizin). Eine weitere Parallele zur Biographie von Hess ist die Tatsache, dass Otto Loewi nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 aus rassischen Gründen emigrieren musste und in den sechziger Jahren (1961) in New York verstarb. Nach Kriegsende wurde er mit dem philosophischen Ehrendoktorat der Karl-Franzens-Universität (1950) sowie mit dem Ehrenring der Stadt Graz geehrt. Eine Gedenkbüste ist im Arkadengang der Aula der Grazer Karl-Franzens-Universität aufgestellt. Posthum wurde die Otto-Loewi-Gasse im Grazer Stadtbezirk St. Peter nach ihm benannt. Bis heute als „Loewi-Villa" bekannt geblieben ist sein Grazer Wohnsitz in der Johann-Fux-Gasse 35.
Auch die beiden letzten „Grazer" Nobelpreise, die nach dem Zweiten Weltkrieg verliehen wurden, waren Medizinnobelpreise. Der erste davon ging 1947 an das Forscherehepaar Carl Ferdinand und Gerty Theresa Cori. Beide 1896 in Prag geboren, hatten sie ebendort Medizin studiert und einander während des gemeinsamen Studiums kennengelernt. Carl Cori gelangte als Assistent des späteren Nobelpreisträgers Otto Loewi nach Graz, desgleichen Gerty Cori, mit der er seit 1920 verheiratet war. Anders als Loewi, wanderten sie jedoch bereits 1922 in die Vereinigten Staaten aus, wo Gerty Cori zunächst nur als unbezahlte Forschungsassistentin zugelassen wurde. Erst nachdem Gerty Cori - als dritte Frau - zusammen mit ihrem Ehemann den Nobelpreis verliehen bekam (1947), erhielt sie auch eine eigene Professur.
Weitere Informationen:
Ein Dampfschiff aus der Zuckerfabrik
Karl von Frisch ist der bislang letzte Grazer Professor, der einen Nobelpreis erhielt. Der gebürtige Wiener arbeitete schwerpunktmäßig in München, wo er ab 1925 das Zoologische Institut leitete. Die Zerstörung des Münchener Instituts durch einen Bombentreffer veranlasste von Frisch, bis zu dessen Wiedereröffnung nach Graz zu wechseln. Hier leitete er in den Jahren 1945 bis 1950 das Zoologische Institut der Karl-Franzens-Universität. 1973 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie bzw. Medizin. Nach seinem Tod wurde er in Graz mit der Benennung der Karl-Frisch-Gasse (Bezirk Eggenberg) geehrt.

Erwin Schrödinger war gleichfalls ein gebürtiger Wiener, der sich dort auch habilitierte und anschließend an verschiedenen mitteleuropäischen Universitäten (Jena, Stuttgart, Breslau, Zürich, Berlin) wirkte. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ging er 1933 nach Oxford und erhielt im selben Jahr den Nobelpreis für Physik. Drei Jahre später folgte er einer Berufung nach Graz (Institut für theoretische Physik), die er 1938 aus politischen Gründen aufgeben musste. In seinem Todesjahr 1961 wurde in Graz die Schrödingerstraße (Bezirk Lend) nach ihm benannt. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Institutgebäudes für Physik der Karl-Franzens-Universität Graz (Universitätsplatz 5) enthält auch seinen Namen. In diesem Gebäude wirkte Erwin Schrödinger von 1936 bis 1938. Die Schrödingerstraße im Bezirk Lend windet sich von der Wienerstraße 61 durch alte und neue Wohnsiedlungen bis zur Mariengasse.
Victor Franz Hess ist der einzige gebürtige Steirer unter den Nobelpreisträgern, geboren als Sohn eines Försters des Prinzen Öttingen-Wallenstein auf Schloss Waldstein bei Peggau nördlich von Graz. 1893-1901 besuchte er das Gymnasium in Graz, studierte anschließend an der Grazer Universität Physik und promovierte hier 1906 sub auspiciis Imperatoris. Danach in Wien tätig, wurde er 1920 als außerordentlicher Professor nach Graz, dann vorübergehend auch in die Vereinigten Staaten und schließlich 1931 als Ordinarius nach Innsbruck berufen. Nach seiner Nobelpreisverleihung (1936) folgte er 1937 einer neuerlichen Berufung nach Graz. 1938 aus politischen Gründen entlassen, emigrierte er schließlich in die Vereinigten Staaten, wo er 1964 in New York verstarb. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Institutgebäudes für Physik der Karl-Franzens-Universität Graz (Universitätsplatz 5) enthält auch seinen Namen. In diesem Gebäude wirkte Victor Franz Hess von 1920 bis 1931 und 1937 bis 1938.