
August Schmölzer verkörpert für mich den Typ „Raue Schale, aber sehr weicher Kern". Für ihn sehr, sehr wichtig ist „Herzensbildung". Sie bedeutet für August Schmölzer Einfühlsamkeit und Toleranz, bedeutet die Fähigkeit, eine eigene Meinung zu bilden, Hilfsbereitschaft, Uneigennützigkeit, gelebte Menschlichkeit. August Schmölzer wurde im steirischen St. Stefan ob Stainz geboren. Schon während der Schulzeit erkannte man sein künstlerisches Talent: er war musikalisch begabt, schrieb Gedichte in steirischer Mundart und begann erste bildhauerische Versuche. Als vielseitig begabten Künstler kennen wir August Schmölzer vom Theater, aus Film und Fernsehen, wie beispielsweise einigen Tatort-Folgen und großartigen Filmen wie „Der Eisbär" von Til Schweiger, „Der Unfisch" von Robert Dornhelm und „Schindlers Liste" von Steven Spielberg.
G'sund: Ihre künstlerische Begabung machte sich schon sehr früh bemerkbar. Sie haben sich aber dann für eine Kochlehre entschieden, warum das?
Schmölzer: Wissen Sie, ich war als Kind sehr krank und verbrachte bis zu meinem 6. Lebensjahr sehr viel Zeit im Spital. Ich war irgendwie süchtig nach Aufmerksamkeit und war in der Schule ein sehr schwieriges Kind. Meine Aufsätze waren sehr gut, aber für die Rechtschreibung bekam ich einen Fünfer. Ich habe mich aber auch geweigert, Rechtschreibung zu lernen. Meine Lehrerin war sehr streng und ich musste oft Strafarbeiten schreiben, meist musste ich Märchen abschreiben. Dadurch wurde meine Phantasie individuell angeregt, Märchen waren faszinierend für mich.
Die Kochlehre habe ich deshalb gemacht, weil ich damit den Gedanken nach Freiheit verband. Ich habe darin eine Möglichkeit gesehen, nach der Lehre auf ein Schiff zu gehen - einfach weg, weg aus einer Welt, die mir Schmerzen bereitete.
G'sund: Das war sicherlich auch für Ihre Eltern eine sehr schwierige Zeit.
Schmölzer: Natürlich. Wir waren drei Buben und meine Eltern bauten ihre Landwirtschaft auf. In der Früh versorgte mein Vater die Kühe, dann ging er seiner Arbeit als Maurer nach. Wenn er abends nach Hause kam, ging die Arbeit für ihn weiter. Meine Mutter hatte den Haushalt zu machen und arbeitete auch in der Landwirtschaft mit. Ich bin wirklich voller Bewunderung, was meine Eltern geleistet haben. Aber sie hatten dadurch auch nicht so viel Zeit für uns Buben. Meine ehemalige Frau Isabella hat einmal etwas sehr Wahres über mich gesagt: Ich bin an Liebe nicht satt geworden.
G'sund: Sie haben schon als Jugendlicher, noch vor ihrer Kochlehre, eine Volksmusik-Gruppe gegründet und hatten Auftritte in Österreich und Deutschland.
Schmölzer: Ja, und wir waren sogar sehr erfolgreich. Aber irgendwann hat mich das dann gelangweilt.
Schon als Kind habe ich gespürt, dass etwas anders ist in mir, ich war voller Phantasien. Während meine Brüder Fußball spielten, habe ich mir beispielsweise aus Haselnussstecken und Papier Flügel gebaut, um zu fliegen.
G'sund: Wie kamen Sie dann zum Schauspiel?
Schmölzer: Durch Zufall. Bei einem Auftritt mit meiner Volks- Musikgruppe lernte ich Prof. Maximilian Kojetinski, einen Schüler des Grazer Komponisten Joseph Marx, kennen. Diesen hat mein Auftritt so begeistert, dass er meinte, ich hätte Talent, ich solle doch Schauspieler werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich rein gar nichts um die Bedeutung des Theaters oder des Filmes.
G'sund: 1979 wurden Sie im Fach Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz aufgenommen.
Schmölzer: Die Hochschule hat mir sehr viel geboten. Ich hatte aber auch das große Glück, dass einer meiner Lehrer, der Regisseur Rudolf Noelte - er war Gastprofessor in Graz - einen Narren an mir gefressen hatte. Ich erinnere mich daran, dass ich eine Szene aus „Der zerbrochene Krug" vorbereiten musste. Ich war unglaublich nervös und hatte das Gefühl, die Szene furchtbar schlecht gemacht zu haben. Noelte hat nach meiner Präsentation mit mir weitergearbeitet und gab mir den Rat: „Lerne sprechen". Er war der Überzeugung, dass ich Erfolg haben würde, wenn ich es schaffe, mein Talent und mein Erlerntes bewusst einzusetzen. Er hat mich später zu sich nach Salzburg (Festspiele, Dantons Tod) geholt.
G'sund: Ihr erstes Engagement hatten Sie 1982 am Stadttheater in Heilbronn, waren dann über vier Jahre lang im Theater an der Josefstadt, spielten hier unter Boy Gobert und nach dessen Tod unter Otto Schenk. Sie spielten bei den Salzburger Festspielen „Der gute Gesell" im „Jedermann", arbeiteten am Staatstheater Stuttgart sowie am Residenztheater in München. Sie haben in über 80 Fernsehproduktionen mitgewirkt, in Kinofilmen und Theaterstücken. Für „Die Familienanwältin" wurden Sie als bester Schauspieler für den Deutschen Fernsehpreis 2006 und für „Vom Ende der Eiszeit" für den bayrischen Fernsehpreis 2007 nominiert. Ihr großer internationaler Durchbruch kam aber 1993 mit der Produktion von Steven Spielbergs mehrfach Oscar®-prämierten Holocaust- Drama „Schindlers Liste". Was ist das für ein Gefühl, plötzlichinternational Erfolg zu haben, international anerkannt zu werden?
Schmölzer: Natürlich ist es ein wunderbares Gefühl. Aber man muss sich auch immer bewusst sein, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Scheitern ist. Die Arbeitssituation bei internationalen Filmen unterscheidet sich nicht wesentlich von kleineren Produktionen, das Team ist nur größer.
G'sund: Entstehen bei gemeinsamen Dreharbeiten auch Freundschaften? Haben Sie ein Vorbild?
Schmölzer: Es gibt eigentlich sehr wenig Freundschaften unter Schauspielern, aber jeder gute Schauspieler ist mein Vorbild, jeder, von dem ich lernen kann, um besser zu werden.
G'sund: Wie entscheiden Sie sich für ein Drehbuch?
Schmölzer: Wenn ich ein Drehbuch lese und merke, dass meine Phantasie angeregt wird und zu arbeiten beginnt, dann ist es für mich ein gutes Drehbuch.
G'sund: Was ist für Sie der Unterschied zwischen Film und Theater? Was machen Sie lieber?
Schmölzer: Ich glaube, das Beste ist, wenn man einen Beruf wirklich erlernt. Man erkennt sofort einen Schauspieler, der auch Theater macht. Das Theater ist ein Mittel, um ein Stück durch Sprache, Stimme, Körperlichkeit zum Zuschauer zu bringen. Beim Film kommt die Kamera zu ihnen. Ich habe mich die letzten zwei Jahre mehr auf die Kamera konzentriert, mache aber auch wieder Theaterstücke.
G'sund: Wie ist der private August Schmölzer? Was machen Sie gerne abseits von Film und Theater? Wie tanken Sie auf?
Schmölzer: Ich gehe gerne spazieren, wandere, gehe Schwammerl suchen, sitze aber auch gerne im Dorfwirtshaus und schnapse. Manchmal fahre ich mit meiner Harley Davidson, Baujahr 1940.
Zu meinem 50er habe ich einen Porsche-Traktor, Baujahr 1958, geschenkt bekommen. Dieser steht jetzt im Traktor-Museum in Stainz und manches Mal hole ich ihn und mache eine Ausfahrt.
G'sund: Ich habe gelesen, dass Sie sich auch sehr für die Bildhauerei interessieren?
Schmölzer: Ich hege für die Bildhauerei wirklich eine große Leidenschaft und ich versuche es wirklich immer wieder. Leider kann ich es nicht. Das tut mir so leid. Ich kann auch nicht zeichnen.
G'sund: Ich weiß, dass Sie sehr viel Zeit und Energie in Ihre im November 2005 gegründete „Initiative zur Herzensbildung" investieren. Was ist die Aufgabe dieser Initiative.
Schmölzer: Wir, das sind meine Mitarbeiter Elisabeth Herunter, Walter Krainz und ich, haben es uns zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche im schulischen und außerschulischen Bereich zu unterstützen und zu fördern. Ich will nicht die Welt verändern, aber ich möchte Vorbild für andere Regionen sein. Ich selbst hatte das Glück, dass ich in Gesprächen mit für mich wichtigen Menschen meine Probleme aufarbeiten konnte. Ich kann darüber reden. Aber dieses Glück hat nicht jeder und vor allem auf dem Land ist es oft sehr schwierig, über Probleme zu sprechen. Alles, was ins Psychologische, ins Gefühl geht, ist verpönt.
Ich möchte uns und unsere Kinder „wacher" machen, wacher machen dafür, was um uns herum passiert, wacher machen für die Menschen um uns.
Wir haben beispielsweise mit den 4. Klassen der Hauptschule in St. Stefan eine Fahrt ins Konzentrationslager gemacht. Der ORF hat uns dabei begleitet. Dies hat sicher bei einigen Kindern Irritationen hervorgerufen, sie haben etwas gespürt, sind nachdenklich geworden. Und wenn nur einer sich später daran erinnert, war es den Aufwand schon wert.
Finanziert werden unsere zahlreichen Aktivitäten durch Benefizveranstaltungen und Spendengelder. Der Erlös aus dem Verkauf meines Romans „Der arme Ritter" fließt ebenfalls in diese Initiative.
G'sund: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Welche Projekte stehen an?
Schmölzer: Ich habe gerade an einem historischen Dokumentationsfilm von Roland Berger „Auf den Spuren des steirischen Panthers" mitgearbeitet. In München spiele ich in einem Film mit Jutta Speidel einen Barbesitzer. In Graz drehe ich mit Xaver Schwarzenberger die Komödie „Detektiv wider Willen" und danach kommt ein toller Polizeiruf in München.
Schmölzer online
www. augustschmoelzer.com
www.gustl58.com
„Gustl58 - Initiative zur Herzensbildung"
gustl58@gmx.de
Bankverbindung: Raiffeisenbank St. Stefan ob Stainz
Konto-Nr: 22202 BLZ: 38375